Delhi hat seine Netzverluste in 24 Jahren von über 50 % auf rund 5 % gesenkt
Das Stromverteilnetz von Delhi verlor 2002 mehr als die Hälfte der transportierten Energie, heute sind es 5 bis 6 %, auf dem Niveau von Frankreich und Belgien. So steht es in einem Beitrag für IEEE Spectrum, verfasst von einem Mitglied der Fakultät für Elektrotechnik der Jamia Millia Islamia in der Stadt. Im selben Zeitraum stieg der Zuverlässigkeitsindex des Netzes von rund 70 % auf über 99,9 %.
Ausgangspunkt war laut Beitrag ein fast hundert Jahre altes Verteilnetz mit verschlissenen Leitungen, Transformatoren und Schaltern, weit verbreitetem Stromdiebstahl und schwacher Abrechnung. Blindlasten trieben den Strom hoch, das erhöhte die Verluste und senkte die Spannung, woraufhin Geräte noch mehr Strom zogen. Zähler waren alt und leicht zu manipulieren, Rechnungen wurden aus Papierunterlagen von Hand zugestellt, bezahlt wurde in Schlangen vor Büros mit kurzen Öffnungszeiten, und keine Regel erlaubte es einem Versorger, säumigen Kunden den Strom abzustellen.
Die Wende kam 2002, als das Delhi Vidyut Board aufgelöst wurde und zwei private Unternehmen, BSES und Tata Power, die Verteilung übernahmen. Tata Power erbte im Norden Gesamtverluste von 53,5 %; BSES stand in Süd-Delhi bei 51,5 % und in Ost-Delhi bei 63,1 %. Der landesweite Electricity Act von 2003 trennte danach Erzeugung, Übertragung und Verteilung, öffnete den Sektor für private Betreiber und schuf Instrumente zur Verfolgung von Stromdiebstahl. Die Versorger installierten Kondensatorbänke, um Blindleistung vor Ort bereitzustellen, verlegten Freileitungen stellenweise als Erdkabel und führten bessere Zähler ein. Die Verluste von Tata Power fielen von 53,1 % im Jahr 2002 auf 6,3 % im Jahr 2023.
Die Stadt mit rund 23 Millionen Einwohnern erreichte in diesem Jahr eine Rekord-Spitzenlast von 8748 MW und bezieht 76 % ihres Stroms von außerhalb.

Was das bedeutet
Die Kernaussage des Beitrags: Der größte Teil der Lösung war keine neue Erzeugung, sondern solide Verteilnetztechnik plus Verantwortlichkeit, also messen, was fließt, abrechnen, was verbraucht wird, und Blindleistung dort ausgleichen, wo sie entsteht. Der Beitrag nennt Albanien, Argentinien, Bangladesch, Kenia, Pakistan und andere als Orte, an denen die Verluste heute aussehen wie damals in Delhi.