Grid Brief ENDE

Portugal schreibt netzbildenden Betrieb für Batterien über 45 MW vor

Große Batteriespeicher am portugiesischen Netz sollen sich künftig wie eine stabilisierende Stromquelle verhalten, nicht nur wie ein Energiespeicher. Das vergangene Woche veröffentlichte Dekret Nr. 464-A/2026/1 verlangt, dass jedes Batteriespeicherprojekt über 45 MW im netzbildenden Modus laufen und synthetische Trägheit bereitstellen kann, berichtet Energy-Storage.news. Für Anlagen zwischen 10 und 45 MW gelten eigene Bedingungen.

Die Regierung begründet das Dekret mit der Betriebs- und Versorgungssicherheit des nationalen Stromsystems, da die Zahl der Speicherprojekte wächst. Portugal strebt bis 2030 6,9 GW Speicher an, erreichte im Januar 2026 80 % erneuerbaren Strom und war vom fast vollständigen iberischen Stromausfall im Frühjahr 2025 betroffen, der eine Debatte über Netzstabilität auslöste. Laut Bericht verteuern netzbildende Wechselrichter ein System kaum, verursachen aber zusätzliche Simulations-, Modellierungs- und Testarbeit bei der Inbetriebnahme. Ähnliche Anforderungen werden bei ENTSO-E diskutiert; Deutschland hat einen Trägheitsmarkt, aber keine Pflicht.

Daneben vergibt die Regierung rund 1 GW (1.050 MVA) Netzkapazität für Batterieprojekte. Die Anschlüsse haben Einschränkungen: Der Übertragungsnetzbetreiber REN darf bei eigenständigen Projekten bis zu 500 Stunden Laden und Entladen pro Jahr abregeln, bei Projekten am Standort von Erzeugungsanlagen bis zu 750 Stunden Laden. Projekte müssen mindestens vier Stunden Speicherdauer haben, es fällt eine Auktionsgebühr von 0,75 % an, und die Gebotsregeln hängen vom Standort ab. In Portugal gebaute Systeme haben heute zwei bis vier Stunden.

Portugal schreibt netzbildenden Betrieb für Batterien über 45 MW vor
Portugal schreibt netzbildenden Betrieb für Batterien über 45 MW vor — Grid Brief

Was das bedeutet

Wird netzbildender Betrieb zur Anschlussbedingung statt zu einer bezahlten Dienstleistung, wandern die Kosten in die Projektplanung, und die Mindestdauer von vier Stunden schließt die Zwei-Stunden-Systeme aus, die den aktuellen Bau prägen. Zusammen mit den Abregelungsrechten von REN ist die Ausschreibung zuerst auf Systemsicherheit ausgelegt und erst dann auf Markterlöse. Projektentwickler werden sie danach beurteilen, wie oft die 500 oder 750 Stunden tatsächlich genutzt werden.

Geschrieben von Victoria Shinder.