Grid Brief ENDE

S&P Global: Chinas 900 GW Zellkapazität treffen auf 590 GW Nachfrage

Die Solar-Lieferkette bleibt in den nächsten 12 bis 24 Monaten überversorgt, und die Preise werden sich nach Regionen auseinanderentwickeln, statt sich gemeinsam zu erholen — so Edurne Zoco, Leiterin Technologien und Lieferketten bei S&P Global Energy, in einem am 8. Oktober von pv magazine veröffentlichten Interview. Die folgenden Zahlen und Prognosen stammen von ihr.

Die Rechnung. Allein China hat mehr als 900 GW jährliche Zellkapazität, bei einer weltweiten Nachfrage von etwa 590 GW; Kapazität verschwindet nur langsam. Die Margen führender Modulhersteller fielen von rund 9 % 2023 auf negative Werte 2025; die aktuellen Preise seien für die meisten Hersteller nicht tragfähig, weshalb viele in andere Komponenten, Dienstleistungen und Software ausweichen.

Unterschiedliche Segmente, unterschiedliche Phasen. Module stecken am tiefsten in der Krise. Bei Wechselrichtern wachsen die Stückzahlen, der Umsatz stagniert; neun der zehn größten Anbieter sind chinesisch, und das Hauptrisiko sei regulatorisch und politisch, nicht technisch — Zoco nennt die Beschränkung neuer ausländischer Wechselrichtermodelle durch die US-FCC und den Ausschluss von Wechselrichtern „hochriskanter“ Lieferanten aus EU-Förderung. Batterien sind früher im Zyklus und noch profitabel; die Schlagzeilen-Überkapazität sei übertrieben, weil führende Hersteller nahe der Vollauslastung arbeiten und gängige 314-Ah-Speicherzellen seit dem zweiten Halbjahr 2025 knapp sind.

S&P Global: Chinas 900 GW Zellkapazität treffen auf 590 GW Nachfrage
S&P Global: Chinas 900 GW Zellkapazität treffen auf 590 GW Nachfrage — Grid Brief

Der Technologie-Stichtag. Chinas neue Effizienzstandards ab Januar 2027 schließen PERC-Zellen faktisch aus und verlagern die Produktion zu TOPCon, Rückseitenkontakt und neueren Zellen; Perowskit- und Tandemtechnik sind bis 2028 von Chinas Verbrauchsteuer befreit. Zoco warnt, dass Lagerbestände veralten und nicht konforme Module vor dem Stichtag billig verkauft werden könnten — besonders in Europa, wo Überbestände eine Marktbereinigung weiter verzögern.

Was das für Käufer bedeutet. Sie rät, über den Preis hinaus auf Technologie-Fahrpläne, Garantien, Rückverfolgbarkeit und Finanzkraft des Lieferanten zu achten, bei Wechselrichtern auch auf Lokalisierungspläne und Zugang zu geschützten Märkten. Für Großprojekte werde netzbildende Fähigkeit zur Pflicht. Der übergeordnete Wandel: vom „Kosten zuerst“ zum „Resilienz zuerst“ — der Zugang zu geschützten Märkten zähle inzwischen so viel wie die Herstellkosten.

Quelle: pv magazine, „Global PV oversupply accelerates consolidation, regional price divergence“, 8. Oktober 2026 — https://www.pv-magazine.com/2026/10/08/global-pv-oversupply-accelerates-consolidation-regional-price-divergence/