Südkorea ersetzt feste Netzgrenzen durch abregelbaren Zugang für über 100 GW
Südkoreas Ministerium für Klima, Energie und Umwelt hat eine Neuordnung der Netzanschlussregeln angekündigt, um bis 2030 mehr als 100 GW erneuerbarer Leistung aufzunehmen, berichtet pv magazine. Kern ist, feste Anschlussgrenzen durch abregelbaren Zugang, Speicher und eine wettbewerbliche Vergabe von Anschlussrechten zu ersetzen.
Die Beschränkungen für neue Erneuerbaren-Anschlüsse in Honam, der südwestlichen Region mit Gwangju sowie Nord- und Süd-Jeolla, wurden aufgehoben. Wartende Projekte erhalten Vorrang, neue beantragen ab Januar 2027 nach einem überarbeiteten Rahmen. Teile von Chungcheong werden wieder geöffnet, die Grenzen an der Ostküste fallen in der ersten Hälfte 2027, wenn die erste Phase einer HGÜ-Leitung von der Küste nach Singapyeong fertig ist.
Im neuen flexiblen Regime dürfen Projekte über die normale Aufnahmegrenze eines Netzabschnitts hinaus angeschlossen werden und nehmen Abregelung in Kauf, wenn die Erzeugung mehr ist, als das Netz aufnehmen kann. Laut Ministerium steigt damit die Solargrenze je Verteilleitung von 14 auf 16 MW und je Umspannwerk von 50 auf 60 MW, was allein in Honam 2,6 GW mehr Solar ohne neue Leitungen erlaubt. Zudem sollen Speicher neue Leitungen ersetzen: Bis 2030 sollen 3 GW zusätzlicher Solarleistung über Speicher im Verteilnetz und 1,6 GW über Speicher an Umspannwerken angeschlossen werden.
Auch die Anschlussrechte werden strenger gehandhabt. Nach Angaben des Ministeriums wurden bereits 9 GW von reservierten, aber nicht tragfähigen Projekten zurückgeholt, in Honam sollen bis 2030 mehr als 10 GW folgen, indem die Rechte verspäteter Projekte auf den tatsächlichen Anschlusszeitpunkt verschoben werden. Ab 2031 werden Rechte mit einer angenommenen Fertigstellungsquote von 67,2 % vergeben statt in der Annahme, dass jedes Projekt pünktlich kommt. Netzstudien gehen nun davon aus, dass Erneuerbare vor fossilen Kraftwerken eingesetzt werden, was landesweit Raum für 20 GW schaffen soll. Ab Januar 2027 gehen Rechte an Projekte, die per Ausschreibung ausgewählt werden, statt nach dem Windhundprinzip.
Das Ministerium erwartet, dass die Aufnahmekapazität auf Übertragungsebene bis 2030 von 119 auf 171 GW und im Verteilnetz von 84 auf 110 GW steigt.

Warum das wichtig ist
Der meiste zusätzliche Raum entsteht durch Regeln, nicht durch Leitungen: abregelbaren Zugang mitzählen, spekulative Reservierungen bereinigen und Erneuerbare in ihrer tatsächlichen Einsatzreihenfolge modellieren. Der Preis ist das Abregelungsrisiko, das vom Netzbetreiber auf den Entwickler übergeht.