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ACER verlangt von Irland eine Neueinstufung der Corrib-Linkline

ACER hat bewertet, was Irlands Regulierungsbehörde CRU künftig für den Gastransport durch das nationale Netz verlangen will — gemessen am EU-Netzkodex über harmonisierte Entgeltstrukturen. Der Bericht steht unter https://www.acer.europa.eu/news/acer-finds-irish-gas-transmission-tariffs-largely-compliant-eu-rules-calls-clarity-corrib-linkline-service. Die CRU hat bis zum 16. Dezember 2026 Zeit für ihre endgültige Entscheidung.

Irland schlägt eine vorwärtsgerichtete Matrixmethode vor: Der Unterschied zwischen zwei Netzpunkten spiegelt die Kosten einer Erweiterung der Leitung zwischen ihnen wider, nicht die historischen Baukosten. Alle Ausspeisepunkte für den Inlandsverbrauch zahlen denselben Tarif, und für künftige Einspeisepunkte für erneuerbares Gas soll unabhängig vom Standort ein einheitlicher Tarif gelten. Die Erlöse kommen weiterhin aus einer Mischung von Kapazitätsentgelten auf kontrahierte Kapazität und Mengenentgelten auf transportierte Volumina.

Das Urteil fällt überwiegend positiv aus: Die Methode erfüllt die EU-Vorgaben zu Kostenorientierung, Transparenz, Vermeidung von Quersubventionen, Diskriminierungsfreiheit, Mengenrisiko und Verzerrung des grenzüberschreitenden Handels; auch die Kriterien für das flussbasierte Entgelt sind erfüllt. Zwei Punkte bleiben offen.

Die Corrib-Linkline. Die Leitung, die das Offshore-Feld Corrib an den Hauptring des irischen Netzes anbindet, wird über einen eigenen Tarif abgerechnet und weitgehend wie eine Nichttransportleistung behandelt — ohne förmlich als solche eingestuft zu sein. ACER verlangt die ausdrückliche Einstufung und eine saubere Beschreibung von Erlös- und Tarifstruktur.

Die Prognosen. Die zugrunde liegenden Kapazitätszahlen stammen aus dem irischen Netzentwicklungsplan 2024 und bilden laut ACER jüngere Nachfrageverschiebungen womöglich nicht ab. Die Behörde fordert aktualisierte Schätzungen — und eine erneute Prüfung der Methode am Kodex, falls sich daraus systemübergreifende Flüsse ergeben.

ACER verlangt von Irland eine Neueinstufung der Corrib-Linkline
ACER verlangt von Irland eine Neueinstufung der Corrib-Linkline — Grid Brief

Was das bedeutet

Die interessanteste Empfehlung ist die dritte, und sie ist kein Compliance-Punkt. ACER bittet die irische Behörde, bei der nächsten Überprüfung zu bewerten, ob eine Bepreisung nach Grenzkosten des Netzausbaus in einem System noch angemessen ist, dessen Gasnachfrage sinken soll. Eine vorwärtsgerichtete Ausbaukostenmethode ist für eine wachsende Leitung gebaut. Auf eine schrumpfende angewandt, bepreist sie einen Ausbau, den niemand vorhat — und die zulässigen Erlöse müssen trotzdem hereinkommen, also von weniger Einheiten, getragen von denen, die bleiben.

In einer Tarifüberprüfung wird die Energiewende zur Rechenaufgabe. Nichts davon ist Klimapolitik; es geht darum, welche Zeile einer Matrix welche Kosten deckt. Aber die von ACER markierte Wahl — Ausbaukosten gegen historische Kosten — entscheidet, wie die Rechnung für ein unterausgelastetes Netz unter den verbliebenen Transportkunden aufgeteilt wird. Und diese Frage erreicht jedes europäische Gassystem, ungefähr in dieser Reihenfolge.

Die Corrib-Frage erinnert daran, dass Einstufung keine Formsache ist. Ob ein Stück Leitung „Transport" ist oder etwas anderes, entscheidet, welcher Kodex ihre Entgelte regelt, welche Rabatte greifen und wer sie anfechten kann. Irland soll bis Dezember schriftlich sagen, was davon zutrifft.