Nuward will 2030 mit dem ersten von zehn europäischen SMR beginnen
Bei einer Begleitveranstaltung der IAEA-Generalkonferenz in Wien hat Nuward-Chef Julien Garrel den Fahrplan für den kleinen modularen Reaktor von EDF dargelegt. Der Entwurf ist fertig; geplant ist eine erste europäische Serie von zehn Einheiten in fünf europäischen Ländern: Vermarktung vor 2029, Baubeginn 2030, erste Produktion 2035. Unterstellt werden 48 Monate Bauzeit je Einheit.
Garrel nannte Italien, Polen, Belgien und Finnland unter den Ländern, mit denen bereits gesprochen wurde, und rahmte das Vorhaben ausdrücklich europäisch: gewollt sei keine französische Technologie, sondern ein europäischer SMR, gestützt auf vorhandene Fertigung und Brennstoffversorgung. Als Anwendungen nannte er Industriecluster und Fernwärme, mit Lastfolgefähigkeit.
Auf derselben Veranstaltung hieß es, die European Industrial Alliance on SMRs habe eine zweite Projektrunde gerade geschlossen und prüfe die Bewerbungen; rund zehn konkrete SMR-Projekte lägen vor, weitere würden erwartet. Ziel der Allianz: erste SMR in der EU betriebsbereit Anfang der 2030er-Jahre und 17 bis 53 GW SMR-Leistung bis 2050. Zum Brennstoff argumentierten Vertreter von Urenco und Orano, Europa müsse für Leichtwasserreaktoren keinen neuen Kreislauf aufbauen, sondern den vorhandenen optimieren — und für fortgeschrittene Reaktoren rasch entscheiden, welche Brennstofftechnologien es unterstützen will.
Das Nuward-Projekt startete im September 2019, angestoßen von der französischen Atomenergiekommission gemeinsam mit EDF, Naval Group und TechnicAtome. Beschrieben ist eine Anlage mit 340 MWe aus zwei Druckwasserreaktoren zu je 170 MWe; im Juli 2024 wurde der Entwurf nach Rückmeldungen möglicher europäischer Kunden neu zugeschnitten.

Was das bedeutet
Die interessante Zahl ist 2030 — und sie meint den Baubeginn, nicht die Netzeinspeisung. Nach dem genannten Plan folgt die erste Produktion 2035 auf 48 Monate Bauzeit; zwischen beiden Daten bleibt praktisch kein Puffer. Jede Verzögerung bei der Vermarktung verschiebt die ganze Kette.
Zehn Einheiten in fünf Ländern sind eine Genehmigungsaussage, nicht nur eine industrielle. Zehn Einheiten in einem Land sind eine Serie; zehn Einheiten in fünf Ländern sind zehn Verfahren bei fünf Aufsichtsbehörden mit je eigener Prüfpraxis. Die europäischen Harmonisierungsbemühungen gibt es genau deshalb — an dieser Rechnung hängt die SMR-Ökonomie, und die Ankündigung ändert daran nichts.
Die Spanne von 17 bis 53 GW ist der ehrliche Teil. Ein Faktor drei zwischen unterem und oberem Fall auf Sicht bis 2050 ist das, was eine Prognose ist, wenn die Ausbaurate unbekannt bleibt. Der Nuward-Fahrplan gehört vor diesem Hintergrund gelesen, nicht vor dem der Pressemitteilung.
⚠ Aussagen von Hersteller und Allianz auf einer Branchenveranstaltung. Die Termine sind Ziele der interessierten Parteien; keine Aufsichtsbehörde hat sich darauf festgelegt.
Quelle: https://www.world-nuclear-news.org/articles/edfs-nuward-smr-planning-10-units-in-five-eu-countries