IAEA-Arbeitsgruppe nennt acht Wege gegen abgelehnte Nuklear-Transporte
Radioaktives Material wird in mehr als 20 Millionen Versandstücken pro Jahr befördert - Brennstoff für Reaktoren, Isotope für Kliniken, Strahlenquellen für industrielle Prüfungen und Forschung. Ein Teil dieser Sendungen wird von Frachtführern, Häfen oder Behörden abgelehnt oder aufgehalten, auch wenn alle Vorschriften eingehalten sind. Die Denial of Shipment Working Group der IAEA hat dazu nun ein Weißbuch veröffentlicht. Laut World Nuclear News wurde es bei einer Nebenveranstaltung der 70. Generalkonferenz der Behörde in Wien vorgestellt.
Das im April fertiggestellte und an die Mitgliedstaaten verteilte Papier nennt sechs Hauptursachen: Wahrnehmung und kulturelle Faktoren, fehlendes Wissen, regulatorische Komplexität, mangelnde Harmonisierung samt Verwaltungslücken, Versicherungs- und wirtschaftliche Hürden sowie Probleme bei Frachtführern und Logistik. Als Folgen nennt es Schaden für die Patientenversorgung, höhere Kosten, betriebliche Verzögerungen, die ihrerseits Sicherheitsrisiken schaffen können, und das Risiko von Regelverstößen. Es schlägt acht Gegenmaßnahmen vor, jeweils den Akteuren zugeordnet, die am besten handeln können - Mitgliedstaaten, Betreiber und Industrie oder internationale Organisationen.
IAEA-Generaldirektor Rafael Mariano Grossi sagte, Ablehnungen und Verzögerungen kämen selbst bei Unternehmen in Ländern vor, die den Transport befürworten; das sei ein Kommunikationsproblem, das es nicht geben dürfe. Kanadas Ständige Vertreterin in Wien, Alison Grant, verband verzögerte Sendungen mit verzögerten Krebsbehandlungen und verschobenen Untersuchungen. Vertreter der World Nuclear Association und des World Nuclear Transport Institute unterstützten die Arbeit; der Verband begrüßte die Wiederbelebung nationaler Anlaufstellen - benannter Fachleute in jedem Land, die bei blockierten Sendungen helfen.
Die Arbeitsgruppe war auf vier Jahre angelegt. Bei ihrer letzten Sitzung im Dezember soll sie einen Rahmen für die weitere Aufsicht festlegen; die Verantwortung, hieß es, liege zunehmend bei den Mitgliedstaaten.

Was das bedeutet
Die Ablehnung von Sendungen ist ein ungewöhnliches Problem, weil sie selten eine rechtliche Ablehnung ist. Eine Reederei nimmt eine Frachtklasse nicht an, ein Hafen fügt ein Verfahren hinzu, ein Versicherer preist das Risiko heraus - und ein Versandstück, das den IAEA-Transportvorschriften entspricht, bewegt sich trotzdem nicht. Deshalb betreffen mehrere Ursachen im Papier Wahrnehmung und Wissen statt Regeln.
Für den Brennstoffkreislauf verschärft sich das, während Lieferketten über mehr Länder neu aufgebaut werden. Ein Regelwerk, das auf dem Papier harmonisiert ist, aber beim Verladen ungleich angewendet wird, erzeugt genau die Verzögerungen, die das Papier beschreibt. Die Arbeitsgruppe sagt selbst, das Problem lasse sich nur verringern, nicht beseitigen; die Sitzung im Dezember wird zeigen, ob die Mitgliedstaaten die weitere Arbeit übernehmen.