Virginia lässt direkt angeschlossene Rechenzentren ihre Leitungen zahlen
Am 31. Juli entschied die State Corporation Commission des US-Bundesstaats Virginia, dass der Versorger Dominion Energy einen Teil der Übertragungskosten unmittelbar großen Verbrauchern zuordnen muss. Das Mittel ist ein verpflichtender Baukostenzuschuss für direkt angeschlossene Kunden; er deckt die Umspannwerke und die Leitungen, die diese Anlagen ans Netz binden. Dominion erhielt 90 Tage, um eine geänderte Anschlussrichtlinie einzureichen — fällig im Oktober.
Microsoft hat am 28. August beim Obersten Gericht Virginias eine Rechtsmittelanzeige eingereicht. Angefochten hat das Unternehmen die Entscheidung damit nicht: Eine Sprecherin erklärte gegenüber Utility Dive, die Anzeige wahre die Möglichkeit, die Umsetzung anzugreifen, und Microsoft wolle Entgelte, die transparent sind und die von jedem Kunden verursachten Kosten abbilden. Nach dem Recht Virginias wäre die eigentliche Beschwerde vier Monate nach dem Endbeschluss fällig — Ende November.
Im Verfahren ging es um Dominions Änderung an Rider T-1, dem Posten, über den Übertragungsinvestitionen hereingeholt werden. Ein Anwalt, der im Verfahren eine Umweltorganisation vertrat, nannte es gegenüber Utility Dive ungewöhnlich, eine Rechtsmittelanzeige einzureichen, ohne sie nutzen zu wollen. Der Bericht steht unter https://www.utilitydive.com/news/microsoft-virginia-scc-data-center-transmission/830775/.

Was das bedeutet
Das ist die Frage, die jedes Netz der Welt demnächst beantworten muss — Virginia hat zuerst geantwortet. Wenn der Anschluss eines einzigen Kunden neue Umspannwerke und neue Leitungen erfordert, landen die Kosten in regulierten Systemen üblicherweise in der Anlagenbasis und damit bei allen. Ein Baukostenzuschuss dreht das um: Wer die Kosten verursacht, zahlt sie vorab. Gestritten wird nicht darüber, ob gebaut wird, sondern auf wessen Rechnung.
Bemerkenswert ist, was nicht bestritten wird. Microsoft wendet sich erklärtermaßen gegen die Umsetzung, nicht gegen das Prinzip: Es will Entgelte, „die die von jedem Kunden verursachten Kosten abbilden". Genau damit hat die Kommission ihre Anordnung begründet. Wenn beide Seiten die Kostenverursachung teilen und nur über die Rechnung streiten, steckt das Geld in der Rechnung — weshalb Dominions Oktober-Einreichung wichtiger ist als das Rechtsmittel.
Und für Beobachter außerhalb der USA ist der Zeitplan die Nachricht. Oktober für die Richtlinie des Versorgers, Ende November für eine mögliche Beschwerde — und dazwischen laufend Standortentscheidungen über neue Lasten. Große Verbraucher siedeln dort, wo der Anschluss billig und schnell ist. Wer die vollen Anschlusskosten dem Kunden zuordnet, entscheidet damit mit, welche Rechenzentren er bekommt, ob das so im Beschluss steht oder nicht.