Studie sieht 150 GW zusätzliche PV an 1.313 ländlichen Umspannwerken
Das Fraunhofer IEE hat im Auftrag des Bundesverbands Solarwirtschaft (BSW-Solar) eine Studie vorgelegt, nach der an 1.313 ländlichen Umspannwerken zwischen Mittel- und Hochspannungsnetz rund 150 GW zusätzliche PV-Leistung und 60 GW Batteriespeicher angeschlossen werden könnten — vorausgesetzt, Speicher fangen Erzeugungsspitzen ab und die vorhandenen Transformatoren werden dadurch über die Zeit besser ausgelastet.
Die Methode gehört genau benannt, weil sie die Aussage begrenzt. Grundlage sind echte Betriebsdaten von 20 Transformatoren an 13 Umspannwerken, über Ähnlichkeitsanalysen auf die größere Gruppe hochgerechnet. Im Referenzszenario erreichen bestehende Erneuerbare plus neue PV 200% der Nennleistung eines Transformators; die Speicher sind so bemessen, dass sie die Spitzen aufnehmen, sobald der Transformator sonst an seine Lastgrenze käme. Unter diesen Annahmen liegt die mittlere Abregelung der zusätzlichen PV bei etwa 1% über die untersuchten Transformatoren — unter der Bedingung, dass Umspannwerk, Speicher und PV als ein System betrieben werden, mit dynamisch überwachten und begrenzten Leistungsflüssen und Speichern, die sich am tatsächlichen Fluss am Umspannwerk ausrichten.
Die Studie sagt ausdrücklich, was sie nicht belegt: Die 150 GW sind nicht als ebenso viel geprüfte, sofort verfügbare Anschlusskapazität zu lesen. Netzengpässe sind nicht im Detail gerechnet, der Zustand vor- und nachgelagerter Netzabschnitte ist nicht bewertet. Der Anspruch der Autoren ist enger: Bessere Nutzung vorhandener Transformatorkapazität könne einzelne Netzausbaumaßnahmen verringern oder verschieben.
⚠ Auftragsforschung, und der Auftraggeber ist Partei. Der BSW-Solar nutzt die Ergebnisse in der Debatte um das Netzpaket der Bundesregierung und wendet sich gegen die dauerhafte Ausweisung großer Flächen als Netzengpassgebiete, in denen der Zubau erneuerbarer Anlagen über eine geplante Redispatch-Regelung eingeschränkt werden könnte.

Was das bedeutet
Die Prämisse stimmt, auch wenn die Zahl weich ist: Transformatoren sind auf eine Spitze ausgelegt, die sie selten sehen. Was für den schlimmsten Fall bemessen ist, steht die meiste Zeit mit Reserve da — und verkaufen lässt sich diese Reserve heute deshalb nicht, weil nichts die Spitze begrenzt. Eine Batterie am Umspannwerk kauft Auslastung statt Kupfer.
Die 1% Abregelung stehen unter einer Bedingung. Sie setzen den dynamisch koordinierten Betrieb von Umspannwerk, Speicher und Erzeugung voraus. Ohne diese Koordination — wenn jede Anlage für sich gegen Marktpreise optimiert — liefert dieselbe Hardware ein anderes Ergebnis. Die Zahl beschreibt ein Regelungsregime, kein Gerät.
Zwanzig Transformatoren, hochgerechnet auf 1.313, sind die tragende Schwäche. Ähnlichkeitsanalyse ist ein vertretbares Verfahren und weit entfernt von einer gemessenen bundesweiten Zahl. Die Studie liest sich als Argument für einen Pilotbetrieb an einem echten Umspannwerk — eine überprüfbare Behauptung — und nicht als nationale Potenzialschätzung.