Fingrid verlangt Grid-Forming von neuen Wind- und Solarparks, wo die ESCR unter 1,0 liegt
Der finnische Übertragungsnetzbetreiber Fingrid wird neue große Wind- und Solaranlagen in den schwächsten Teilen seines Netzes zu netzbildender Regelung (Grid-Forming) verpflichten; pv magazine hat am 15. Oktober darüber berichtet. Fingrid hatte die Maßnahme Ende September angekündigt und die technischen Einzelheiten im Oktober im Rahmen von VJV2024 veröffentlicht, seinem Netzkodex für Kraftwerke.
Wer betroffen ist. Die Regeln gelten für Anlagen vom Typ D, die an Punkten mit einem äquivalenten Kurzschlussverhältnis (ESCR) unter 1,0 angeschlossen werden. Bestehende Anlagen und Projekte mit bereits unterzeichnetem Anschlussvertrag sind ausgenommen. Laut Bericht konzentriert sich die Windkraft in Finnland gerade in solchen umrichterdominierten Gebieten, vor allem an der Westküste, und die Netzsicherheit leidet dort, wo es an Synchrongeneratoren fehlt. Im Anforderungsdokument heißt es, netzfolgende Umrichter könnten dort schlecht gedämpfte Spannungsschwingungen, schwaches Durchfahren von Fehlern und Überspannungen bei dreiphasigen Fehlern verursachen – mit dem Risiko, dass Anlagen in großem Umfang vom Netz gehen –, und reines Nachjustieren der Regelparameter reiche nicht aus.
Drei Wege, gestaffelt nach Netzstärke. Entwickler können Batterien, statische Synchronkompensatoren mit Energiespeicher (ES-STATCOM) oder Synchronmaschinen wie Phasenschieber einsetzen. Je schwächer das Netz, desto größer die Pflichtauslegung:
- Batterie: ±10 % der Anlagenleistung bei einer ESCR zwischen 0,9 und 1,0, ±20 % zwischen 0,7 und 0,9, ±30 % unter 0,7;
- ES-STATCOM: 7 %, 13 % und 20 % in denselben Stufen;
- Synchronmaschine: Kurzschlussleistung von 33 %, 66 % und 100 % der Anlagenleistung.

Betriebsbedingungen. Die Ausrüstung muss laufen, sobald die Anlage mit 50 % ihrer Nennleistung oder mehr einspeist, und vor der ersten Einspeisung in Betrieb sein. Sie muss innerhalb von 60 km elektrischer Entfernung liegen – in der Anlage, im selben Umspannwerk oder an derselben 110-kV-Leitung –, damit ein einzelner Fehler im vermaschten Netz von Fingrid beide nicht trennen kann.
Batterien dürfen verdienen, mit Grenzen. Eine zur Erfüllung installierte Batterie darf am Strom- und Reservemarkt handeln, solange das ihre stabilisierende Mindestfähigkeit nie schmälert; erbringt sie Systemdienstleistungen, gilt zusätzlich Fingrids Netzkodex für Speicher. Eine Batterie, die nicht am Markt teilnimmt, kann als ES-STATCOM behandelt und nach den niedrigeren Schwellen ausgelegt werden.
Einordnung. Für große Batterien verlangt Fingrid bereits nach dem Speicher-Kodex netzbildende Fähigkeiten, heißt es im Bericht. Die vier nordischen Übertragungsnetzbetreiber hatten im November 2025 in einem gemeinsamen Papier erklärt, Grid-Forming-Anforderungen an Wind und Solar würden der Entwicklung der europäischen Netzkodizes folgen.
Quelle: pv magazine — https://www.pv-magazine.com/2026/10/15/finland-demands-grid-forming-support-for-new-wind-solar-in-weak-grids/