Dänemark ersetzt Windhundprinzip durch vier Prioritätsstufen beim Netzzugang
Das dänische Parlament hat einen Notfallplan für Anschlüsse an das Stromnetz beschlossen, der das Windhundprinzip durch ein Prioritätsmodell ersetzt, berichtet pv magazine unter Berufung auf das Ministerium für Klima, Energie und Versorgung.
Das Modell kennt vier Kategorien. Die höchste umfasst Anschlüsse für kritische gesellschaftliche Funktionen, neue Haushalte und allgemeinen Stromverbrauch. Die zweite die Elektrifizierung von Verkehr, Wärme und Industrie sowie Projekte für erneuerbare Energie, CO2-Abscheidung und -Speicherung und Wasserstoff. Energiespeicher stehen in der dritten Kategorie. Die vierte und niedrigste ist bestimmten Großverbrauchern vorbehalten – dort dürften Rechenzentren landen, sofern sie keiner kritischen Funktion dienen. Innerhalb einer Kategorie können Projekte vorgezogen werden, die das Netz weniger belasten, etwa indem sie ihren Verbrauch in Zeiten freier Kapazität verlegen.
Der Übertragungsnetzbetreiber Energinet und die lokalen Netzbetreiber dürfen Anträge der Kategorien drei und vier ablehnen, wenn absehbar keine ausreichende Kapazität erwartet wird und ein Anschluss vorrangige Projekte verdrängen oder das Netz unangemessen belasten würde; Beschwerdeinstanz ist die Elektrizitätsaufsicht. Der Plan, getragen von einer breiten Mehrheit, tritt am 12. Oktober in Kraft. Ministerin Samira Nawa nannte die Lage im Netz „äußerst ernst“. Mathilde Hjort Bressum von der liberalen Venstre sagte, das Modell müsse ein Werkzeug für eine akute Lage bleiben und dürfe nicht zur neuen Normalität werden, und forderte Verhandlungen über den Ausbau des Übertragungsnetzes. Finnland konsultiert noch bis zum 9. Oktober über ein ähnliches vierstufiges System.

Warum das wichtig ist
Batterien hinter Wärmepumpen und Wasserstoff einzuordnen und Rechenzentren ans Ende, ist eine ausdrückliche politische Entscheidung darüber, wofür knappe Netzkapazität da ist. Speicherentwickler in Dänemark konkurrieren damit nun um Anschlüsse nach Kriterien, die früher allein die Warteschlange entschied.