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Tschernobyl nach 40 Jahren: die Sperrzone als Arbeitsort und Naturreservat

Vierzig Jahre nach dem Unglück von 1986 hat World Nuclear News einen Beitrag über das Leben in der Sperrzone von Tschernobyl veröffentlicht - dem Gebiet im Norden der Ukraine und im Süden von Belarus, das nach der Katastrophe geschlossen wurde. Die Kernaussage: Die Zone war nie einfach leer.

Gearbeitet wurde dort von Anfang an. Neben den Liquidatoren, die bei Bergung und Aufräumarbeiten hohe Strahlendosen erhielten, brauchte das Kraftwerk weiter Personal: Die drei unbeschädigten Reaktoren lieferten noch jahrelang Strom, der letzte ging erst Ende 2000 vom Netz. In dieser Zeit arbeiteten laut Beitrag fast 6.000 Menschen täglich im Kraftwerk. Für die aus Prypjat evakuierten Beschäftigten wurde rund 45 Kilometer entfernt die neue Stadt Slawutytsch gebaut. Von acht Sowjetrepubliken entworfen, die jedem Viertel einen eigenen Stil gaben, bezogen die ersten Bewohner sie im Oktober 1988; heute leben dort rund 25.000 Menschen.

Das zweite Leben der Zone ist das eines Schutzgebiets. Im belarussischen Teil entstand 1988 das Staatliche Ökologische Reservat Polesie, im ukrainischen 2016 das Biosphärenreservat Tschernobyl; zusammen bilden sie eines der größten Naturreservate auf dem europäischen Festland. Das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen nannte die Zone Europas größtes Experiment zur Wiederverwilderung, und sie ist seit Langem ein Ort radioökologischer Forschung. Der Tourismus, auf beiden Seiten vor 2022 entwickelt, ist in der Ukraine wegen des Kriegsrechts eingeschränkt; Besuche sind nur zu genehmigten Bildungs-, Forschungs- und Dienstzwecken möglich.

Tschernobyl nach 40 Jahren: die Sperrzone als Arbeitsort und Naturreservat
Tschernobyl nach 40 Jahren: die Sperrzone als Arbeitsort und Naturreservat — Grid Brief

Was das bedeutet

Die Sperrzone gilt oft als Kürzel für einen Ort, den Kernkraft unbewohnbar gemacht hat. Die Wirklichkeit ist komplizierter: ein Kraftwerk, das nach dem Unglück noch vierzehn Jahre lief, eine Stadt, die dafür gebaut wurde, und ein Gebiet, in dem die Tierwelt in Abwesenheit des Menschen aufblüht, auch wenn Teile weiterhin unsicher sind.

Nichts davon schmälert das Unglück oder seinen menschlichen Preis. Es macht die Zone aber zu einem realen Datensatz über langfristige Strahlenwirkungen und darüber, was mit Land geschieht, wenn menschliche Tätigkeit endet - weshalb Forscher immer wieder dorthin zurückkehren.