Fossile Kraftwerke wieder 30 % der US-Projektpipeline: was die Zahlen von EDF und Atlas zeigen
Der Environmental Defense Fund (EDF) und Atlas Public Policy haben am 13. Oktober 2026 den Bericht An Inflection Point for the U.S. Power Sector veröffentlicht. Er stützt sich auf Kraftwerksdaten der US-Energiebehörde EIA, aufbereitet im Clean Economy Tracker von Atlas, mit Projektständen aus dem zweiten Quartal 2026. Die Kernaussage betrifft eine Wende bei den Planungen – noch nicht beim Bau.
Was heute ans Netz geht. Saubere Energie dominiert weiterhin den Zubau, weil die heutigen Inbetriebnahmen auf jahrelang entwickelte Projekte zurückgehen. 2024 entfielen nur 5 % der neuen Kapazität auf fossile Kraftwerke.
Was in der Pipeline steckt. Die geplante fossile Kapazität hat den höchsten Stand seit 2016 erreicht und macht rund 30 % der Projektpipeline aus. Entwickler rechnen mit etwa 68 GW neuer fossiler Kapazität zwischen 2026 und 2030, fast ausschließlich Erdgas – 45 % mehr als vor sechs Monaten. Werden die Projekte wie geplant gebaut, könnten fossile Brennstoffe 2030 rund 70 % des Zubaus stellen, ein Wert wie zuletzt Anfang der 2010er-Jahre.
Stornierungen laufen in die Gegenrichtung. 2025 wurden 4,9 % der geplanten und im Bau befindlichen sauberen Kapazität storniert, bei fossilen Projekten 2,9 %. Der Bericht nennt auch, was manche Gaskraftwerke noch stoppen könnte: Turbinenknappheit, steigende Kosten und unsichere Nachfrage.

Kohle bleibt. Für 2025 waren Stilllegungen von 8,5 GW Kohle geplant, tatsächlich gingen weniger als 1 GW vom Netz – so wenig wie seit 2009 nicht. Laut Bericht hat die Regierung 850 Millionen Dollar zur Unterstützung von Kohleanlagen angekündigt, darunter zwei geplante neue Kraftwerke.
Die Kostenseite. Neue Wind- und große Solaranlagen kommen in den Zahlen des Berichts über die Lebensdauer auf rund 68–69 $/MWh, neue GuD-Gaskraftwerke auf 90 $/MWh.
Wie man das lesen sollte. EDF ist eine Interessenorganisation und sagt das in ihren Schlussfolgerungen auch: Sie führt die Wende auf das vom Rechenzentrumsboom getriebene Nachfragewachstum und auf Bundespolitik zurück, die Wind- und Solargutschriften beendet und fossile Investitionen fördert, und fordert, Hürden für saubere Energie und Netzausbau zu beseitigen. Die Pipeline-Zahlen selbst stammen aus EIA-Meldungen; die 70 % für 2030 sind eine Projektion, die nur gilt, wenn die Projekte wie geplant gebaut werden.
Quelle: Environmental Defense Fund, „Report: U.S. power pipeline shifts toward more costly, polluting fossil fuels as clean energy faces new headwinds“ — https://www.edf.org/media/report-us-power-pipeline-shifts-toward-more-costly-polluting-fossil-fuels-clean-energy-faces