Anschlusswarteschlangen regiert, wer sie lesen kann
Drei der heutigen Meldungen drehen sich um dasselbe knappe Gut - einen Platz in einer Anschlusswarteschlange - und unterscheiden sich vor allem darin, wie viel von dieser Warteschlange jemand außerhalb des Betreibers sehen kann.
In Großbritannien wurde eine Anfrage nach den Projektdaten hinter Ofgems Schätzung von rund 73 GW Rechenzentrumsbedarf in der Warteschlange als unklar abgelehnt - mit dem Hinweis, dass Einzelprojekte auch bei präzisierter Anfrage vertraulich bleiben dürften. Im Gebiet von PJM hat die FERC die Entscheidung des Netzbetreibers bestätigt, Oklos 750-MW-Hybridprojekt aus dem laufenden Studienzyklus zu nehmen, weil von PJM benannte Mängel nicht behoben waren - und PJM zugleich zu besserer Kommunikation ermahnt. Und in Spanien hat das Institut für einen gerechten Übergang seine Regeln für die Vergabe von bis zu 11 GW reservierter Kapazität öffentlich zur Diskussion gestellt, einschließlich der Kriterien, nach denen eine Ausschreibung konkurrierende Projekte reihen würde.

Die Asymmetrie
Eine Warteschlange ist ein öffentliches Gut, das in einem nicht öffentlichen Verfahren verteilt wird. Der Betreiber weiß, welche Anträge doppelt sind, welche Entwickler Flächen und Finanzierung haben und welche Platzhalter nur auf einen Käufer warten. Alle anderen - konkurrierende Entwickler, Kommunen, Investoren, die Öffentlichkeit, die das Netz bezahlt
- sehen bestenfalls eine Summe. Wenn eine einzelne Zahl wie 73 GW die nationale Politik bestimmt, ist die fehlende Möglichkeit, sie zu prüfen, keine Formalie: Das Argument für die Reform beruht dann auf Vertrauen in die Institution, die gemessen hat.
Der Fall Oklo zeigt dieselbe Asymmetrie von der anderen Seite. Der Entwickler argumentierte mit Folgen - 18 Monate Verzögerung, höhere Kosten. Der Betreiber stützte sich auf die Aktenlage, also darauf, was verlangt und was geliefert wurde. Die FERC folgte der Akte, nach dem Tarif zu Recht, räumt aber mit ihrer Mahnung an PJM ein, dass Entwickler nicht immer verstehen, was von ihnen verlangt wird. Klarheit über das Verfahren ist ebenfalls Information, und auch sie liegt beim Betreiber.
Spanien ist das Gegenbeispiel, wenn auch ein bescheidenes. Die Methode vor der Vergabe zu veröffentlichen - Eingangsreihenfolge für weniger umkämpfte Knoten, eine kriteriengestützte Ausschreibung, wo die Nachfrage das Angebot übersteigt - erlaubt Außenstehenden, über die Regeln zu streiten, solange sie sich noch ändern lassen. Die Anträge selbst bleiben verborgen, und Geschäftsgeheimnisse sind dafür ein legitimer Grund. Sichtbar sind aber die Regeln und die Entscheidung, lokale sozioökonomische Zusagen zu belohnen statt des Preises.
Worauf zu achten ist
Die Reformen der Warteschlangen in Europa und den USA laufen auf strengere Hürden hinaus: Meilensteine, Sicherheitsleistungen und das Recht, Projekte zu streichen, die sie verfehlen. Als fair gelten werden diese Hürden nur, wenn ihre Ergebnisse überprüfbar sind. Regelmäßig veröffentlichte Summen - wie viele Projekte eingetreten sind, wie viele gestrichen wurden und warum, wie viel Leistung tatsächlich angeschlossen wurde - würden die meisten Fragen beantworten, die heute per Informationsanfrage gestellt werden, ohne einen einzelnen Entwickler offenzulegen. Die Betreiber, die das zuerst tun, müssen ihre Zahlen seltener verteidigen.