Kapazität bezahlen: Kohle in Bereitschaft, Batterien in Polen, ein Preistest
Drei Meldungen dieser Woche beantworten auf unterschiedliche Weise dieselbe Frage, vor der heute jedes Stromsystem steht: wie man Kapazität bezahlt, die vor allem deshalb wertvoll ist, weil sie da ist – nicht wegen dessen, was sie an einem gewöhnlichen Tag erzeugt.
Bereitschaft per Anordnung: die Rechnung für Centralia. In den USA bewahrt das Energieministerium den 730-MW-Kohleblock Centralia von TransAlta seit Dezember per Notfallanordnung vor der Stilllegung. Erzeugt hat der Block in diesem Jahr bis Juli nichts. FERC entschied am 1. Oktober, dass TransAlta die Kosten der ersten 90-Tage-Anordnung von 19,9 Mio. Dollar trotzdem zustehen, lehnte aber einen Plan ab, der sie bis nach Kalifornien und in den Southwest Power Pool verteilte; zahlen sollen nur Versorger in der Region Nordwest, die die Zuverlässigkeitsbewertung nennt. Source: https://www.utilitydive.com/news/ferc-transalta-202c-cost-recovery-centralia/832001/
Bereitschaft per Vertrag: Polens Batterien. Northland Power hat die Finanzierung von 300 MW/1.200 MWh Batteriespeichern in Polen abgeschlossen, beide mit 17-jährigen Verträgen im Kapazitätsmarkt und Betriebsstart 2028. Neben Krediten von rund 500 Mio. Zloty stehen etwa 1 Mrd. Zloty staatliche Zuschüsse. Polnische Speicher haben Kapazitätsverträge über mehr als 11 GW gewonnen, doch ein Investor warnt, Netzengpässe, Genehmigungen und Finanzierungslücken würden einen Teil davon unbebaut lassen. Source: https://www.energy-storage.news/canadas-northland-power-closes-financing-on-1-2gwh-of-cm-contracted-bess-projects-in-poland

Was die Kapazität wert ist: Fraunhofers Simulator. Das Fraunhofer ISE hat die deutschen Day-Ahead-Gebote von 2025 mit zusätzlich 20 GW Zwei-Stunden-Batterien nachgerechnet. Die tägliche Preisspanne sank um 60 %, die Stunden über 200 Euro/MWh fielen von 169 auf 20, die Stunden mit negativen Preisen halbierten sich ungefähr, und der Marktwert von Solarstrom stieg um 35 %. Die Einschränkung des Instituts: Speicher verschieben Energie, sie erzeugen keine. Source: https://www.pv-magazine.com/2026/10/02/fraunhofer-ise-releases-electricity-price-simulator
Was sie verbindet. Alle drei handeln vom Bezahlen für Verfügbarkeit und zeigen drei Wege, den Preis festzulegen. Der US-Fall legt ihn nachträglich fest, per Notfallanordnung und anschließendem Streit darüber, wer die Rechnung bekommt. Polen legt ihn vorab per Auktion fest, und öffentliche Zuschüsse tragen einen großen Teil des Risikos. Fraunhofers Werkzeug tut etwas, was die anderen beiden nicht tun: Es schätzt, was die Kapazität dem Markt Stunde für Stunde wert ist, auf Basis echter Gebote.
Der Kontrast ist lehrreich. Ein per Anordnung offengehaltener Kohleblock wird bezahlt, ob er je eingesetzt würde oder nicht, und die zahlende Region hat ihn nicht gewählt. Per Auktion gesicherte Batterien werden für ein Versprechen bezahlt, das nach Aussage der Investoren selbst ein Teil der Projekte nicht halten wird. Ein gemessener Wert fehlt in beiden Fällen: Regulierer, die entscheiden, wer eine Bereitschaftsrechnung trägt, und Auktionsplaner, die entscheiden, wie viel Kapazität sie kaufen, stünden auf festerem Boden, wenn sie zuerst fragten, was diese Kapazität an den tatsächlich gezahlten Preisen geändert hätte.