ACERs Engpassrechnung und Lianders Warteliste: Europa fehlen Leitungen, nicht Energie
Zwei Nachrichten dieser Woche betrachten dasselbe Problem in verschiedenen Maßstäben. Am 4. November bezifferte ACERs Monitoringbericht 2026 die Kosten des Engpassmanagements in der EU für 2025 auf 5,4 Milliarden Euro nach 4,3 Milliarden ein Jahr zuvor und stellte fest, dass die Vorgabe, mindestens 70 % der Kapazität für den grenzüberschreitenden Handel anzubieten, noch nicht vollständig gilt. Zwei Tage vorher erklärte der niederländische Netzbetreiber Liander, er könne neue Kunden in sechzehn Gemeinden in Gelderland ab Januar nicht anschließen, und setzte sie bis mindestens Juli 2027 auf eine Warteliste.
Kontinental zeigt sich die Grenze als Geld. Die Preisunterschiede zwischen Gebotszonen wachsen, so ACER, und Intraday- und Regelenergiemärkte leiden am meisten unter dem begrenzten zonenübergreifenden Zugang. Redispatch ist der Preis für ein Netz, das nicht tragen kann, was der Markt plant, und diese Rechnung wuchs in einem Jahr um mehr als ein Viertel.
Lokal zeigt sie sich als Warteschlange. Lianders Oktober-Mitteilung listete 14 neue Engpässe für große Anschlüsse, 11 davon auf der Bezugs- statt der Einspeiseseite. Die im Juli eingeführten niederländischen Prioritätsregeln legen bereits fest, wer knappe Kapazität zuerst erhält, mit Netzsicherheit und engpassmindernden Akteuren an der Spitze.
Beides verbindet dieselbe physische Tatsache: Die Energie ist da, aber die Leitungen, die sie dorthin bringen, wo sie gebraucht wird, fehlen noch. ACERs Mittel ist die volle Anwendung bestehender Regeln, Lianders flexible Kapazität und schnellerer Ausbau mit TenneT. Keine der Meldungen deutet darauf hin, dass sich die Lücke rasch schließt.

Was das bedeutet
Für Entwickler und Großverbraucher in Europa ist das knappe Gut jetzt ein Anschlussdatum. Marktreformen helfen beim Preis, nur Stahl im Boden verkürzt die Schlange.